Sichtmauerwerk innen: Versiegeln, Fugen und Pflege richtig machen

Sichtmauerwerk innen: Versiegeln, Fugen und Pflege richtig machen
Feb, 23 2026

Ein Sichtmauerwerk innen ist mehr als nur eine Wand. Es ist ein Designelement, das Wärme, Struktur und Geschichte in den Raum bringt. Ob im Loft, im Altbau oder in einem modernen Neubau - die rohen Ziegel- oder Kalksandsteinflächen wirken authentisch, robust und zeitlos. Doch diese Optik hat ihren Preis: Sie braucht Pflege. Nicht wie eine verputzte Wand, die man mal anstreicht. Sichtmauerwerk atmet, saugt Schmutz auf und zeigt jede kleine Unebenheit. Wer es richtig macht, hat jahrzehntelang Freude daran. Wer es falsch macht, hat nach ein paar Jahren verfärbte Fugen, Ausblühungen und einen kratzigen, unansehnlichen Belag.

Was ist Sichtmauerwerk innen wirklich?

Sichtmauerwerk im Innenbereich ist Mauerwerk, das nicht verputzt, nicht verkleidet und nicht verdeckt wird. Es bleibt sichtbar - als Wand, als Rückwand, als Raumteiler. Die Steine sind meist Kalksandsteine (KS), wie sie in Deutschland standardmäßig verwendet werden. Laut DIN EN 771-2 und DIN 20000-402 müssen sie eine Ebenheit von maximal 10 mm über 10 cm aufweisen. Das klingt technisch, ist aber entscheidend: Eine unebene Wand wirkt unprofessionell, selbst wenn die Steine selbst gut aussehen. Die Fugen zwischen den Steinen sind dabei genauso wichtig wie die Steine selbst. Sie müssen gleichmäßig verfugt sein, ohne Lücken, ohne Risse, ohne Löcher. Nur dann entsteht das gewollte Bild: strukturiert, aber harmonisch.

Im Gegensatz zu Außenmauerwerk ist Innensichtmauerwerk nicht Wind und Regen ausgesetzt. Aber es ist anderen Belastungen unterworfen: Berührungen, Staub, Feuchtigkeit aus der Luft, Reinigungsmittel, Möbel, Kinderhände. Das macht es anfälliger für Verschmutzungen, als man denkt. Und das ist der Grund, warum Versiegelung und Fugenpflege nicht optional sind - sie sind essenziell.

Wie werden die Fugen richtig gemacht?

Die Fugen sind das Herzstück. Ein schlecht verfugtes Mauerwerk lässt sich später nicht mehr retten. Beim Verlegen der Steine muss der Mörtel gleichmäßig in die Fugen eingebracht werden. Kein Drücken, kein Rütteln. Mit einem Fugeisen wird die Fuge abgezogen, sodass sie flach und geschlossen bleibt. Einige Maurer verwenden auch einen Fugenglattstrich - das ist eine Technik, bei der kein extra Fugenmörtel nötig ist. Der Mörtel wird einfach an den Stößen glattgestrichen. Beide Methoden funktionieren, aber nur, wenn sie sauber ausgeführt werden.

Wenn nach dem Verlegen Löcher, Risse oder Abbrüche in den Fugen sichtbar sind - und das passiert oft -, müssen sie ausgebessert werden. Laut KS-Maurerfibel (2023) sind Fugenabrisse über 0,2 mm Breite ein Problem. Solche Stellen saugen Feuchtigkeit und Schmutz auf, verfärben sich schnell und werden zur Stelle, wo sich Schimmel bildet. Hier hilft nur eins: spezieller Reparaturmörtel. Kein normaler Putz, kein Spachtelmasse aus dem Baumarkt. Der muss mit dem Stein und dem ursprünglichen Mörtel verträglich sein. Sonst entstehen Risse, die sich mit der Zeit vergrößern.

Und was ist mit den Ecken und Laibungen? Auch dort muss der Maurer nacharbeiten. Hier, wo Wand auf Wand trifft, entstehen oft Hohlstellen. Die werden mit dem Fugeisen geschlossen, nicht mit einem Spachtel. Denn nur so bleibt die Struktur erhalten. Und nach dem Verfugen? Die ganze Wand wird mit einem nassen Schwamm abgewischt. Nicht zu stark, nicht zu oft. Nur sanft, um Mörtelreste von den Steinen zu entfernen. Sonst bleibt weißer Rückstand zurück - und das sieht nicht nach Design aus, sondern nach Baustelle.

Versiegeln: Was funktioniert wirklich?

Jetzt kommt der entscheidende Schritt: Versiegelung. Viele denken, Sichtmauerwerk braucht keinen Anstrich. Stimmt - aber es braucht eine Schutzschicht. Ohne Versiegelung saugt der Stein wie ein Schwamm Feuchtigkeit, Staub und sogar Fette auf. Das führt zu Flecken, Verfärbungen und einem ungleichmäßigen Aussehen.

Was funktioniert? Die einfachste und natürlichste Methode ist Leinöl. Es wird in mehreren Schichten aufgetragen, meist mit einem Pinsel oder einem Lappen. Es dringt tief ein, verstärkt die Farbe der Steine, macht sie leicht glänzend - aber nicht glatt. Es lässt die Wand atmen. Einige nutzen auch Ölwachs, das etwas haltbarer ist. Beide Produkte sind weder lackartig noch plastisch. Sie schützen, ohne zu versiegeln.

Was nicht funktioniert: Silikon, Acryl oder andere synthetische Imprägnierungen. Sie bilden eine Folie auf der Oberfläche. Das klingt gut, aber in der Praxis verhindern sie die natürliche Feuchtigkeitsregulierung. Die Wand kann nicht mehr „atmen“. Feuchtigkeit bleibt drin, und das führt zu Schimmel, Ausblühungen und schließlich zum Abplatzen der Beschichtung. Das ist kein Schutz - das ist eine Falle.

Neue Entwicklungen zeigen, dass natürliche Mittel wie Bienenwachs oder Leinöl in den nächsten Jahren noch beliebter werden. Der Marktbericht 2023 prognostiziert einen Anstieg der Nachfrage um 25 %. Das liegt nicht nur am Trend, sondern an der Erfahrung: Sie halten länger, sind ungiftig und verändern die Optik nicht, sondern ergänzen sie.

Handwerkliche Reparatur von Fugen an einer Sichtmauer mit Spezialmörtel und feuchtem Schwamm.

Pflege: Wie reinigt man richtig?

Reinigung ist kein Mal pro Jahr. Es ist eine Routine. Und sie beginnt mit dem richtigen Werkzeug. Für leichte Verschmutzungen reicht ein weicher Pinsel oder ein Staubsauger mit Bürstenaufsatz. Für stärkere Belastungen - etwa Fettflecken oder Staubansammlungen - braucht es mehr. Aber bitte: kein Hochdruckreiniger. Kein Scheuerpulver. Kein Essig. Kein Spülmittel.

Was funktioniert? pH-neutrale Reiniger. Die gibt es in jedem Baumarkt, oft unter dem Namen „Kalksandstein-Reiniger“. Sie lösen Schmutz, ohne das Material anzugreifen. Mit einem weichen Schwamm oder einer Naturborstenbürste wird von oben nach unten gearbeitet. Warum von oben nach unten? Weil Schmutz sonst herunterläuft und sich in den Fugen sammelt. Und das ist das Letzte, was man will.

Ein Tipp aus Freiburg: In alten Wohnungen mit Sichtmauerwerk ist oft Feuchtigkeit aus dem Boden ein Problem. Wenn die Wand an der Unterseite feucht ist, ist das kein Reinigungsproblem - das ist ein Baufehler. Dann hilft nur eine professionelle Sanierung. Der Altputz muss bis zu einem Meter über der Schadensgrenze entfernt werden. Und die Feuchtigkeitsquelle muss beseitigt werden. Sonst bringt jede Reinigung nichts.

Und was ist mit neuen Wänden? Nach dem Verlegen sollte die Mauer zwei Wochen lang mit einer Plane geschützt werden. Keine direkte Sonne, kein Regen, keine Zugluft. Sonst trocknet der Mörtel zu schnell - und die Fugen reißen.

Was man auf keinen Fall tun sollte

Es gibt drei Fehler, die fast jeder macht - und die das Sichtmauerwerk ruinieren.

  1. Keine chemischen Reiniger ohne Nachbehandlung. Wer Bleichmittel, Essig oder stark alkalische Mittel nutzt, greift die Mineralien im Stein an. Die Fugen werden porös, die Steine werden brüchig. Und danach hilft auch keine Versiegelung mehr.
  2. Keine mechanische Reinigung mit Metallbürsten. Das sieht aus wie „gut gereinigt“, aber in Wirklichkeit kratzt man die Oberfläche auf. Die Poren werden vergrößert, Schmutz setzt sich tiefer fest. Es wird nicht sauber - es wird beschädigt.
  3. Kein Versiegeln bei feuchter Wand. Wenn die Luftfeuchtigkeit über 65 % liegt, ist die Wand noch nicht ausgetrocknet. Dann aufzutragen, ist wie ein Verband auf einer Wunde zu kleben, die noch eitert. Die Versiegelung hält nicht. Und der Schmutz bleibt drin.

Und noch etwas: Die Steine vor der Verlegung niemals auf dem Boden lagern. Immer auf Paletten, auf Holz, auf einer Unterlage. Sonst saugen sie Feuchtigkeit aus dem Beton - und das führt Jahre später zu weißen Ausblühungen. Das ist kein Fehler der Pflege - das ist ein Fehler der Lagerung.

Dreiteilige Darstellung einer Ziegelwand im Laufe der Zeit: frisch verlegt, gereift und vernachlässigt.

Warum lohnt sich die Mühe?

Sichtmauerwerk innen ist kein Trend. Es ist eine Investition. In Deutschland ist die Nachfrage in den letzten fünf Jahren um 35 % gestiegen. In Loft-Wohnungen, in Ateliers, in modernen Altbau-Renovierungen ist es heute fast Standard. Warum? Weil es nicht nur schön aussieht - sondern auch hält. Wenn es richtig verlegt, versiegelt und gepflegt wird, hält es 50, 70, sogar 100 Jahre. Es verändert sich nicht, es reift. Die Farben werden tiefer, die Struktur wird sichtbarer, der Charakter wird stärker.

Und das ist es, was viele suchen: Echtheit. Ein Raum, der nicht perfekt ist, aber authentisch. Ein Raum, der Geschichte erzählt. Und der, wenn man ihn richtig behandelt, auch noch in 30 Jahren so aussieht wie am ersten Tag.

Kann man Sichtmauerwerk innen mit Lack versiegeln?

Nein. Lack oder Acrylversiegelungen bilden eine undurchlässige Folie, die die natürliche Feuchtigkeitsregulierung des Steins verhindert. Das führt zu Feuchtigkeitsstau, Schimmelbildung und später zum Abplatzen der Beschichtung. Nutzen Sie stattdessen Leinöl oder Ölwachs - sie dringen ein, schützen und lassen die Wand atmen.

Welche Reinigungsmittel sind sicher für Kalksandstein?

Nur pH-neutrale Reiniger. Diese sind speziell für Kalksandstein und Ziegel entwickelt und greifen weder die Steine noch die Fugen an. Vermeiden Sie Essig, Bleichmittel, Spülmittel oder starke Reiniger aus dem Supermarkt. Sie können Ausblühungen oder dauerhafte Verfärbungen verursachen.

Wann sollte man das Sichtmauerwerk nach der Verlegung versiegeln?

Erst nach mindestens vier Wochen Trockenzeit, idealerweise nach zwei Monaten. Der Mörtel muss vollständig ausgetrocknet sein. Die Luftfeuchtigkeit im Raum sollte unter 65 % liegen. Sonst bleibt Feuchtigkeit im Stein gefangen, und die Versiegelung hält nicht.

Was tun, wenn die Fugen rissig sind?

Risse über 0,2 mm Breite müssen ausgebessert werden. Nutzen Sie speziellen Reparaturmörtel, der mit dem ursprünglichen Fugenmörtel verträglich ist. Nicht mit Spachtelmasse oder normaler Putzmasse arbeiten - die reißen später wieder. Nach der Reparatur die Fuge sanft mit einem feuchten Lappen abwischen und anschließend versiegeln.

Ist Sichtmauerwerk in der Küche oder im Bad geeignet?

Ja, aber mit Vorsicht. In der Küche ist es gut, solange es regelmäßig gereinigt und versiegelt wird. Im Bad ist es nur ratsam, wenn die Feuchtigkeit gut kontrolliert wird - etwa durch eine gute Lüftung. Sonst entsteht Schimmel in den Fugen. Hier empfiehlt sich eine stärkere Imprägnierung mit Ölwachs oder speziellen Silikatversiegelungen, die wasserdampfdurchlässig sind.

Was kommt als Nächstes?

Wenn Sie Ihr Sichtmauerwerk jetzt versiegeln wollen, beginnen Sie mit einer kleinen Fläche - etwa einer Wandseite oder einem Kamin. Probieren Sie Leinöl aus. Beobachten Sie, wie die Farbe sich verändert. Wie der Stein nach ein paar Tagen wieder trocken ist. Und wie der Schmutz sich jetzt leichter entfernen lässt. Das ist der beste Test.

Und wenn Sie unsicher sind: Holen Sie sich einen Fachmann. Ein guter Verfuger weiß, welcher Mörtel zu welchem Stein passt. Und welches Öl die richtige Menge an Schutz gibt - ohne zu viel zu geben. Denn Sichtmauerwerk ist kein DIY-Projekt, das man einfach aus dem Internet nachmacht. Es ist ein Material, das Respekt verdient.