Parkett abschleifen und neu versiegeln: Die vollständige DIY-Anleitung für zu Hause

Parkett abschleifen und neu versiegeln: Die vollständige DIY-Anleitung für zu Hause
Jan, 15 2026

Ein abgenutzter Parkettboden muss nicht gleich ausgetauscht werden. Mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Werkzeugen kannst du ihn in wenigen Tagen wie neu machen - und dabei bis zu 78 % der Kosten gegenüber einem Profi sparen. In Deutschland wird jedes Jahr mehr als 189 Millionen Euro in DIY-Parkettrenovierungen investiert. Warum? Weil es funktioniert. Und weil es sich lohnt. Aber nur, wenn du die richtigen Schritte kennst.

Prüfe, ob dein Parkett geeignet ist

Bevor du den ersten Schleifgang beginnst, musst du wissen: Dein Parkett kann abgeschliffen werden. Nicht jedes Holzboden ist dafür geeignet. Massivholzparkett mit einer Gesamtdicke von mindestens 18 Millimetern ist ideal. Bei diesen Böden kannst du bis zu acht Mal abschleifen - jedes Mal etwa 0,5 Millimeter Holz entfernen. Das ist genug, um tiefe Kratzer, alte Lacke und Flecken komplett zu entfernen.

Fertigparkett hingegen ist eine andere Geschichte. Die obere Holzschicht ist nur 2 bis 4 Millimeter dick. Wenn du hier abschleifst, riskierst du, durch das Holz zu schleifen und die Unterlagen freizulegen. Das Ergebnis? Ein unebener, kaputter Boden, den du nur noch komplett austauschen kannst. Prüfe also vorher: Wenn du an der Kante des Bodens oder unter einem Heizkörper schaust und nur eine dünne Holzschicht siehst - lass es bleiben. Kaufen statt schleifen ist hier die bessere Wahl.

Werkzeug und Material: Was du brauchst

Du brauchst nicht viel - aber das Richtige. Eine schlechte Maschine oder falsches Schleifpapier ruinieren deine Arbeit. Hier ist die Grundausstattung:

  • Parkettschleifmaschine - entweder eine Tellerschleifmaschine (besser für unebene Böden) oder eine Walzenschleifmaschine (schneller, aber weniger präzise)
  • Randschleifmaschine oder Dreiecksschleifer - für die Ecken und Kanten, die die große Maschine nicht erreicht
  • Schleifpapier - drei Körnungen: 24er (Grobschliff), 60er (Zwischenschliff), 100er bis 120er (Feinschliff)
  • Staubsauger mit HEPA-Filter - Holzstaub ist nicht nur dreckig, er ist gefährlich
  • Atemschutzmaske FFP2 - verpflichtend. Holzstaub von Eiche enthält krebserregende Stoffe
  • Schutzbrille, Handschuhe, Ohrschützer - die Maschine ist laut und die Partikel fliegen
  • Versiegelung - Öl, Lack oder Wachs. Öl ist am einfachsten für Anfänger

Die Maschinen mietest du im Baumarkt: OBI, HORNBACH oder toom verleihen sie ab 45 Euro pro Tag. Schleifpapier kostet etwa 15 Euro pro Packung. Öl oder Lack für 20 Quadratmeter kommt auf 60 bis 100 Euro. Alles zusammen: unter 200 Euro. Ein Profi rechnet für denselben Raum 500 bis 700 Euro.

Schritt 1: Vorbereitung - Sauberkeit ist alles

Du denkst, du kannst einfach loslegen? Nein. Ein schlecht vorbereiteter Boden führt zu Kratzern, ungleichmäßigem Schliff und sogar Gefahr.

  • Entferne alle Möbel, Teppiche, Fußleisten und Türschwellen. Falls du die Fußleisten nicht entfernen willst, schütze sie mit Klebeband und Holzleisten.
  • Staubsauge den Boden gründlich - aber nicht mit einem normalen Staubsauger. Nutze einen mit HEPA-Filter. Sonst verteilst du den alten Staub nur neu.
  • Entferne alle Nägel, Schrauben oder Metallteile. Ein einziger Nagel, der in die Maschine gerät, kann Funken erzeugen. Bei einer Staubkonzentration von über 40 Gramm pro Kubikmeter kann das sogar zu einer Explosion führen.
  • Reinige den Boden mit einem feuchten Tuch - aber nicht zu nass. Holz saugt Feuchtigkeit auf. Lass es vollständig trocknen, bevor du schleifst.

Diese Phase dauert bei 20 Quadratmetern mindestens drei Stunden. Aber sie ist der Schlüssel zum Erfolg. Ein sauberer Boden macht 50 % der Arbeit aus.

Hand bringt Öl mit einer Schaumrolle auf einen frisch abgeschliffenen Parkettboden auf, Holzmaserung ist deutlich sichtbar.

Schritt 2: Grobschliff - Die Grobarbeit

Jetzt kommt die Maschine zum Einsatz. Setze das 24er Schleifpapier auf. Das ist grob - aber nötig, um alte Lacke, Kratzer und Unebenheiten zu entfernen.

  • Arbeite diagonal zur Holzmaserung. Das ist wichtig. Wenn du parallel schleifst, entstehen tiefe Rillen. Diagonal schneidest du die Oberfläche sauber ab.
  • Halte die Maschine gleichmäßig und bewege sie mit einer Geschwindigkeit von etwa 2,5 Metern pro Sekunde. Nicht zu schnell - sonst bleibt Material zurück. Nicht zu langsam - sonst wird der Boden uneben.
  • Gehe in Reihen vor. Jede Reihe sollte leicht überlappen. Keine Lücken lassen.
  • Nach jedem Abschnitt saugst du den Staub ab. Sonst schleifst du ihn wieder in den Boden ein.

Bei Stäbchenparkett oder Fischgrätenmustern gilt: Diagonal schleifen. Bei Mosaikparkett: von links nach rechts, diagonal zu den Fasern. Die Maschine ist nicht intuitiv - lies die Anleitung deiner Maschine. Wenn du unsicher bist, probiere erst auf einer kleinen Fläche aus.

Schritt 3: Zwischenschliff - Glätten

Nach dem Grobschliff ist der Boden zwar flach, aber rau. Jetzt kommt die 60er Körnung. Diese Schicht entfernt die tiefsten Kratzer des Grobschliffs und bereitet den Boden auf die finale Oberfläche vor.

  • Bei Stäbchenparkett: Schleife im Winkel von 7° bis 15° zur Maserung. Das ist der Goldstandard.
  • Bei Massivparkett: Du kannst wieder diagonal schleifen - aber nicht mehr so stark wie beim Grobschliff.
  • Arbeite immer in Richtung des Lichts. So siehst du, wo noch Unebenheiten sind.
  • Wieder: Staubsaugen nach jedem Abschnitt. Kein Staub darf auf dem Boden bleiben.

Dieser Schritt dauert etwa vier Stunden bei 20 Quadratmetern. Nicht überspringen. Wenn du hier sparen willst, wirst du später beim Lack oder Öl Probleme haben. Die Oberfläche wird ungleichmäßig, fleckig, oder es entstehen unschöne Rillen.

Schritt 4: Feinschliff - Der letzte Schliff

Jetzt kommt das feine Papier: 100er bis 120er Körnung. Dieser Schritt macht den Boden glatt wie Seide. Er ist der letzte Schritt vor der Versiegelung.

  • Jetzt schleifst du parallel zur Maserung. Das ist wichtig. So wird die Holzstruktur nicht beschädigt.
  • Gehe langsamer vor als beim Grobschliff. Die Maschine muss leicht auf dem Boden gleiten - nicht drücken.
  • Beachte den Lichteinfall. Schleife so, dass du Schatten und Unebenheiten gut erkennst.
  • Saug den Boden nochmals gründlich ab. Dann wische ihn mit einem trockenen, antistatischen Tuch ab. Kein Staub darf mehr da sein.

Dieser Schritt ist der letzte, bevor du das Öl oder den Lack aufbringst. Wenn du hier Fehler machst, kannst du sie später nicht mehr korrigieren. Keine Kompromisse.

Vorher-Nachher-Vergleich eines Parkettbodens: links beschädigt und staubig, rechts glatt und glänzend mit natürlichem Lichtreflex.

Schritt 5: Versiegeln - Öl, Lack oder Wachs?

Jetzt kommt die Entscheidung: Wie soll dein Boden aussehen? Und wie viel Pflege willst du investieren?

Ölversiegelung (empfohlen für Anfänger)

  • Beispiel: Bona HardOil, Livos, Osmo
  • Vorteile: Natürlicher Look, leicht zu reparieren, atemaktiv, keine Chemikalien
  • Nachteile: Muss alle 1-2 Jahre nachgeölt werden
  • Trocknungszeit: 24 Stunden bis zur Belastbarkeit
  • Wie du es aufbringst: Mit einer Schaumrolle oder einem Lappen. Gleichmäßig, ohne Tropfen. Nach 12 Stunden einen zweiten Anstrich. Nach 24 Stunden ist der Boden belastbar.

Lackversiegelung (für Hochbelastung)

  • Beispiel: Junckers 2K-Polyurethanlack
  • Vorteile: Extrem widerstandsfähig, kratzfest, ideal für Kinderzimmer oder Flure
  • Nachteile: Keine Reparatur möglich - bei Kratzern muss der ganze Boden neu lackiert werden
  • Trocknungszeit: 48 Stunden
  • Wie du es aufbringst: Mit einem speziellen Lackwalzer. Zwei Schichten, zwischen den Schichten leicht schleifen mit 180er Papier.

Wachsversiegelung (nur für Traditionell-Interessierte)

  • Beispiel: Bona Wachs, Hesse Wachs
  • Vorteile: Sehr natürliches, warmes Licht
  • Nachteile: Muss monatlich nachgewachst werden. Sehr zeitaufwendig.
  • Trocknungszeit: 72 Stunden
  • Wird heute nur noch von 12 % der Heimwerker gewählt - aus gutem Grund.

Öl ist die beste Wahl für die meisten. Es sieht gut aus, ist einfach zu verarbeiten, und du kannst es später leicht erneuern. Wenn du Kinder hast oder einen stark frequentierten Flur: Lack. Aber nur, wenn du bereit bist, bei einem Kratzer den ganzen Boden neu zu machen.

Was schiefgehen kann - und wie du es vermeidest

Die meisten Fehler passieren nicht beim Schleifen. Sie passieren vorher.

  • Kein Atemschutz - Holzstaub ist krebserregend. FFP2-Maske ist Pflicht. Nicht nur aus Vorsicht - die DGUV schreibt es vor.
  • Staub nicht saugen - Jeder Staubkorn, der übrig bleibt, wird beim Versiegeln eingeschlossen. Das Ergebnis: ein unebener, trüber Boden.
  • Falsche Schleifrichtung - Besonders bei Fischgräten oder Mosaik. Diagonal ist nicht nur Empfehlung - es ist Technik.
  • Zu wenig Trockenzeit - Du willst nach 12 Stunden den Stuhl wieder hinstellen? Dann wirst du Kratzer haben. Öl braucht 24 Stunden, Lack 48. Geduld ist Teil der Arbeit.
  • Keine Vorreinigung - 17 % aller negativen Erfahrungen auf OBI.de liegen an nicht entfernten Schmutzpartikeln.

Ein Erfahrungsbericht von „Holzfreund87“ auf Hausfrage.net: „Nach sorgfältigem Anwenden der 5-Schritt-Methode von toom.de bin ich mit dem Ergebnis nach 3 Tagen Arbeit in meinem 18-Quadratmeter-Wohnzimmer mehr als zufrieden - die tiefen Hundekratzer sind komplett verschwunden.“

Warum lohnt sich das?

Ein neu versiegelter Parkettboden hält 15 bis 20 Jahre. Ein komplett neuer Boden verursacht 37 kg CO2 pro Quadratmeter - durch Produktion, Transport, Entsorgung. Dein DIY-Boden? Weniger als 5 kg. Du sparst Geld. Und du tust was Gutes für die Umwelt.

Der Trend wächst: Bis 2025 werden in Deutschland über 580.000 Heimwerker professionelle Schleifmaschinen mieten - das sind 40 % mehr als heute. Es ist kein Nischenphänomen. Es ist eine kluge, nachhaltige, praktische Entscheidung.

Dein Parkettboden hat Geschichte. Gib ihm eine neue Chance. Mit den richtigen Schritten, dem richtigen Werkzeug und etwas Geduld - wird er wieder zum Herzstück deines Zuhauses.

Kann ich jeden Parkettboden abschleifen?

Nein. Nur Massivholzparkett mit einer Gesamtdicke von mindestens 18 Millimetern ist dafür geeignet. Fertigparkett mit einer Holzschicht von nur 2 bis 4 Millimetern darf nicht abgeschliffen werden - sonst wird der Boden beschädigt. Prüfe die Dicke an einer Stelle, wo der Boden sichtbar ist, z. B. unter einer Heizung oder an der Kante.

Wie lange dauert eine Parkettrenovierung?

Bei einem Raum von 20 Quadratmetern brauchst du etwa 16 Stunden Arbeitszeit - verteilt auf 2 bis 3 Tage. Der größte Teil der Zeit ist die Trocknungszeit: Öl braucht 24 Stunden, Lack 48 Stunden. Du kannst nicht schneller arbeiten, als der Boden trocknet. Plan mindestens drei Tage ein - und halte dich daran.

Welches Schleifpapier brauche ich?

Du brauchst drei Körnungen: 24er für den Grobschliff, 60er für den Zwischenschliff und 100er bis 120er für den Feinschliff. Jede Körnung entfernt nur die Kratzer der vorherigen - nicht mehr. Nutze kein 80er Papier zwischen 24er und 60er - das führt zu ungleichmäßigen Oberflächen. Kaufe immer neue Scheiben - alte Papierblätter sind ineffektiv.

Soll ich Öl, Lack oder Wachs verwenden?

Für Anfänger ist Öl die beste Wahl: Es ist einfach aufzutragen, riecht nicht stark, und kleine Kratzer kannst du später mit etwas Öl nachbessern. Lack ist kratzfest, aber wenn er beschädigt ist, musst du den ganzen Boden neu machen. Wachs sieht schön aus, aber du musst ihn monatlich nachwachsen - das ist für die meisten zu aufwendig.

Wie vermeide ich Staub?

Du kannst Staub nicht komplett vermeiden - aber du kannst ihn kontrollieren. Nutze eine Schleifmaschine mit Staubabsaugung. Saug nach jedem Schleifgang mit einem HEPA-Staubsauger ab. Trage eine FFP2-Maske - Holzstaub ist krebserregend. Reinige den Raum danach gründlich. Vermeide es, mit einem normalen Staubsauger zu saugen - er verteilt den Staub nur.

Was mache ich, wenn ich einen Durchschliff habe?

Ein Durchschliff bedeutet, dass du bis zur Unterlage geschliffen hast - z. B. bis zur Sperrholzschicht. Das ist ein schwerer Fehler. Du kannst ihn nicht einfach überstreichen. Die Lösung: Füllstelle mit Holzspachtel (für Parkett) aus, trocknen lassen, dann mit 120er Papier glatt schleifen. Danach wie gewohnt versiegeln. Aber: Der Fleck bleibt sichtbar. Deshalb: Arbeite vorsichtig, halte die Maschine leicht und nicht gedrückt.

Kann ich das im Winter machen?

Ja - aber nur bei Raumtemperatur zwischen 18 und 22 Grad Celsius. Öl und Lack trocknen bei kälteren Temperaturen nicht richtig. Wenn es unter 15 Grad ist, verzögerst du die Trockenzeit um bis zu 50 %. Halte die Heizung an - aber nicht zu heiß. Und lüfte regelmäßig, damit die Luftfeuchtigkeit bei 50-65 % bleibt. Das ist optimal für die Versiegelung.