Wenn du deine Immobilie sanierst, lauern überall Mythen. Sie kommen von Nachbarn, aus Foren oder aus dem Fernsehen - und sie kosten dich Geld, Zeit und Nerven. Viele Hausbesitzer verzichten auf sinnvolle Sanierungen, weil sie glauben, dass Dämmung Schimmel verursacht, Fenster nicht dicht sein dürfen oder eine Wärmepumpe nur teuer ist. Aber was ist wirklich wahr? Und was ist nur Angst, die sich seit Jahren als Wahrheit verbreitet hat?
Mythos 1: Zu viel Dämmung bringt Schimmel
Das ist der häufigste Grund, warum Menschen ihre Fassade nicht dämmen. Sie fürchten, die Wände „atmen“ nicht mehr - und dann entsteht Schimmel. Doch das ist falsch. Schimmel wächst nicht, weil eine Wand gedämmt ist. Er wächst, weil die Luft zu feucht ist und an kalten Stellen kondensiert. Eine gut gedämmte Außenwand bleibt warm. Und wenn sie warm bleibt, kann sich Feuchtigkeit nicht an der Innenseite absetzen. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat das 2020 in einer Langzeitstudie nachgewiesen: In Häusern mit moderner Dämmung war Schimmel deutlich seltener als in ungedämmten Gebäuden. Der wahre Grund für Schimmel? Undichte Fenster, fehlende Lüftung, feuchte Wäsche im Schlafzimmer oder eine kaputte Abdichtung im Bad. Dämmung ist kein Problem - sie ist die Lösung.Mythos 2: Fenster müssen luftdurchlässig sein
„Ein Haus braucht Luftzug, sonst wird’s stickig.“ Das sagt man noch heute - besonders in älteren Häusern. Aber das ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als Fenster undicht waren und man sich daran gewöhnt hatte. Moderne Fenster sind dicht. Und das ist gut. Ein zugiges Fenster verschwendet 15 bis 20 Prozent deiner Heizenergie. Das heißt: Du zahlst mehr für Gas oder Strom, nur damit kalte Luft reinströmt. Die Volksbank Jade-Weser hat 2022 eine Umfrage unter 1.200 Immobilienkäufern gemacht. 67 Prozent sagten, sie würden ein Haus nicht kaufen, wenn die Fenster alt und undicht sind. Heute ist ein dichtes Fenster kein Nachteil - es ist ein Verkaufsargument. Wenn du deine Fenster austauschst, sparst du nicht nur Energie. Du machst dein Zuhause auch komfortabler. Kein Zug, keine Kälte an den Füßen, keine ständige Heizung auf Vollgas.Mythos 3: Fassadendämmung ist ein Brandrisiko
Einige Angstmacher behaupten, Dämmplatten aus Styropor würden das Haus in eine Brennerei verwandeln. Das ist Unsinn. Alle zugelassenen Dämmstoffe müssen strenge Brandschutznormen erfüllen. In Deutschland gibt es drei Brandverhaltensklassen: A1 (nicht brennbar), A2 (schwer entflammbar) und B1 (normal entflammbar). Moderne Dämmsysteme nutzen fast ausschließlich A2 oder B1-Materialien - und das mit einem Brandschutz-System, das die Dämmung von innen und außen abschottet. Die Deutsche Umwelthilfe hat 2022 Brandschutzexperten befragt. Ihre Antwort war eindeutig: „Die Verwendung zugelassener Materialien und der sachgerechte Einbau sind die wichtigsten Elemente zum Brandschutz.“ Ein Haus mit Dämmung brennt nicht schneller - es brennt sogar langsamer, weil die Dämmung als Wärmeschild wirkt. Der echte Brandgefahrenpunkt ist nicht die Dämmung - sondern alte Elektroinstallationen oder unsachgemäß installierte Heizungen.Mythos 4: Dämmung hält nicht lange
„Das kommt nach 10 Jahren runter.“ Oder: „Die Putzschicht reißt, dann ist Schluss.“ Das klingt logisch - aber es stimmt nicht. Die Langzeitstudie des Fraunhofer-IBP aus 2019 hat über 500 Gebäude mit Fassadendämmung über 20 Jahre beobachtet. Ergebnis: Die Lebensdauer ist genauso hoch wie bei ungedämmten Fassaden. Was kaputtgeht, ist meist der Putz - aber das liegt an der Ausführung, nicht an der Dämmung. Wenn ein Handwerker die Dämmung nicht richtig verklebt, die Armierung nicht richtig eingebettet oder den Putz nicht richtig aufgetragen hat, dann bricht er. Aber das ist kein Defekt der Technik - das ist ein Defekt der Handwerkerqualität. Die Lösung? Wähle einen Fachbetrieb mit Zertifikat. Die KfW hat 2023 festgestellt: 68 Prozent der Hausbesitzer haben Schwierigkeiten, den richtigen Handwerker zu finden. Aber es gibt sie: Handwerker, die wissen, wie es richtig gemacht wird. Und die machen das seit Jahren.
Mythos 5: Sanieren lohnt sich nicht - es ist nur Geld weg
Das ist der größte Mythos von allen. Viele denken: „Ich gebe 50.000 Euro aus - und dann ist das Geld weg.“ Aber das stimmt nicht. Die Deutsche Bank hat 2023 eine Analyse von 12.000 Immobilienverkäufen durchgeführt. Ergebnis: Energetisch sanierte Häuser haben im Durchschnitt 8,5 Prozent mehr Wert als unsanierte. Wer sein Haus 2023 sanieren lässt, kann es 2025 mit einem höheren Preis verkaufen - und das, obwohl die Energiepreise weiter steigen. Und das ist nicht nur ein Verkaufsvorteil. Du sparst monatlich Heizkosten. Ein Haus aus den 70er-Jahren verbraucht fünfmal so viel Energie wie ein Neubau. Wenn du deine Heizung und Dämmung sanierst, kannst du 40 bis 60 Prozent deiner Energiekosten einsparen. Die KfW sagt: Die meisten Sanierungen amortisieren sich innerhalb von 8 bis 12 Jahren. Danach ist es reiner Gewinn.Mythos 6: Ich baue lieber neu - Sanieren ist rausgeworfenes Geld
Das klingt verlockend: Ein neues Haus, modern, perfekt, ohne Probleme. Aber du vergisst dabei die graue Energie. Das ist die Energie, die in der Herstellung, im Transport und beim Einbau der Baustoffe steckt. Ein Neubau verbraucht bis zu 300 Prozent mehr graue Energie als eine Sanierung. Das Wuppertal Institut hat das 2022 berechnet: Wenn du ein Haus sanierst, sparst du so viel CO₂, als würdest du drei Jahre lang kein Auto fahren. Und du vermeidest den Abbruch - mit allem Müll, der dabei entsteht. Außerdem: Ein Neubau kostet 1.500 bis 2.500 Euro pro Quadratmeter. Eine Sanierung kostet 250 bis 400 Euro pro Quadratmeter. Du sparst also nicht nur Energie - du sparst auch Geld.Was du wirklich tun solltest: Schritt für Schritt sanieren
Du musst nicht alles auf einmal machen. Aber du solltest wissen, in welcher Reihenfolge es sinnvoll ist. Die Deutsche Umwelthilfe und die Energieberatung der Verbraucherzentrale empfehlen diesen Weg:- Erst die oberste Geschossdecke dämmen. Das kostet wenig, aber spart 10 bis 15 Prozent Heizenergie. Meistens ist das die billigste und effektivste Maßnahme.
- Dann die Heizung austauschen. Eine alte Öl- oder Gasheizung ist ineffizient. Eine Wärmepumpe oder ein moderner Gas-Brennwertkessel spart 20 bis 30 Prozent. Ab 2024 muss jede neue Heizung 65 Prozent erneuerbare Energie nutzen - das ist Gesetz.
- Dann die Fassade dämmen. Das bringt die größten Einsparungen: 25 bis 35 Prozent. Und das ist auch der größte Wertgewinn beim Verkauf.
Und vergiss nicht: Eine einfache Auffrischung - neue Farbe, neue Fensterbänke, eine moderne Küche - kann deinen Verkaufspreis um 3 bis 5 Prozent steigern. Die Volksbank Jade-Weser hat 2022 gezeigt: Eine optische Auffrischung kostet 2.000 bis 5.000 Euro - und bringt mehr Rendite als eine teure Küchenrenovierung, die sich nie amortisiert.
Wie du sicher gehst: Profis einbinden, nicht YouTube
Du kannst nicht alles selbst machen. Dämmung, Fenster, Heizung - das ist Facharbeit. Die Verbraucherzentrale Berlin hat 2022 1.247 Sanierungsprojekte analysiert. Ergebnis: 83 Prozent der Projekte, die von Profis geplant wurden, erreichten die versprochenen Einsparungen. Bei Eigenplanungen waren es nur 47 Prozent. Warum? Weil Lüftung, Dampfbremse, Wärmebrücken und Luftdichtheit nicht auf YouTube erklärt werden. Die richtige Planung braucht ein Energieberater-Zertifikat. Frag nach der Energieausweispflicht. Und suche Handwerker, die mit der KfW zusammenarbeiten. Die Wartezeit ist lang - 4 bis 6 Wochen - aber es lohnt sich. Ein schlecht eingebauter Dämmstoff ist teurer als gar keine Dämmung.Die Zukunft ist sanieren - nicht neu bauen
Deutschland muss bis 2030 35 Millionen Wohngebäude sanieren. Nur so erreichen wir die Klimaziele. Die Europäische Kommission hat das Ziel: Verdoppeln der Sanierungsrate. Deutschland liegt mit 0,8 Prozent pro Jahr weit hinter Estland (1,5 Prozent) oder Litauen (1,2 Prozent). Warum? Weil viele Hausbesitzer noch immer an Mythen glauben. Aber die Zahlen sprechen klar: Sanieren spart Geld, erhöht den Wert, schützt das Klima und macht dein Zuhause angenehmer. Du musst nicht perfekt sein. Aber du musst anfangen. Nicht morgen. Nicht nächstes Jahr. Jetzt.Kann Dämmung wirklich Schimmel verhindern?
Ja, richtig eingebaute Dämmung verhindert Schimmel, weil sie die Wände warm hält. Schimmel entsteht nicht durch Dämmung, sondern durch kalte Stellen, wo Feuchtigkeit kondensiert. Moderne Dämmsysteme verhindern genau das - sie sorgen für gleichmäßige Temperaturen an den Wänden.
Lohnt sich eine Sanierung wirklich, wenn ich das Haus nicht verkaufen will?
Absolut. Selbst wenn du nicht verkaufen willst, sparst du monatlich Heizkosten. Ein Haus aus den 70er-Jahren verbraucht fünfmal so viel Energie wie ein Neubau. Eine Sanierung reduziert die Kosten um 40 bis 60 Prozent. Das ist wie ein monatlicher Gehaltsscheck, den du dir selbst gibst.
Ist eine Wärmepumpe wirklich die beste Wahl?
Für die meisten Sanierungen ja. Wärmepumpen nutzen Umweltwärme - aus Luft, Boden oder Grundwasser - und sind sehr effizient. Sie sparen 50 bis 70 Prozent Energie gegenüber alten Heizungen. Aber sie brauchen eine gute Dämmung. Wenn deine Wände kalt sind, muss die Wärmepumpe stärker arbeiten. Sanieren und Heizung austauschen gehören zusammen.
Gibt es einen Wärmepumpenzwang?
Nein. Es gibt keinen Zwang, eine Wärmepumpe einzubauen. Aber ab 2024 muss jede neue Heizung mindestens 65 Prozent erneuerbare Energie nutzen. Das kann eine Wärmepumpe sein - aber auch eine Hybridheizung mit Biomasse oder Solarthermie. Die Wahl bleibt dir.
Wie viel kostet eine grundlegende Sanierung?
Eine grundlegende energetische Sanierung kostet durchschnittlich 250 bis 400 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Das beinhaltet Dämmung der obersten Decke, Fensteraustausch und Heizungserneuerung. Eine komplette Fassadendämmung kommt dazu und erhöht die Kosten. Aber: Die Förderung durch die KfW deckt bis zu 40 Prozent ab - und das ist nicht nur Zuschuss, sondern oft auch günstiges Darlehen.