Immobilienkauf in Italien: Schritt-für-Schritt-Kaufprozess, Steuern und die Rolle des Notars

Immobilienkauf in Italien: Schritt-für-Schritt-Kaufprozess, Steuern und die Rolle des Notars
Mär, 21 2026

Wer eine Immobilie in Italien kauft, muss mehr als nur einen Preis zahlen. Es geht um einen klaren, rechtlich festgelegten Prozess, der aus mehreren Phasen besteht - und bei dem Fehler teuer werden können. Viele ausländische Käufer unterschätzen die Komplexität. Der Kauf eines Hauses in der Toskana oder einer Wohnung in Sizilien ist kein einfacher Kauf, wie man es aus Deutschland kennt. Es gibt spezifische Regeln, verpflichtende Schritte und hohe Kosten, die man vorher genau kennen muss.

Der erste Schritt: Codice Fiscale und italienisches Bankkonto

Bevor man auch nur ein Angebot abgibt, braucht man zwei Dinge: einen Codice Fiscale und ein italienisches Bankkonto. Der Codice Fiscale ist die Steueridentifikationsnummer, die jeder in Italien braucht, der Geld ausgibt, Eigentum erwirbt oder einen Vertrag unterschreibt. Ohne sie läuft gar nichts. Ausländer können sie beim italienischen Konsulat im Heimatland oder vor Ort bei der Agenzia delle Entrate beantragen. Die Bearbeitung dauert meist 2-4 Wochen. Ohne diesen Code kann man später nicht einmal die Steuererklärung abgeben.

Das Bankkonto ist ebenso wichtig. Italienische Banken verlangen es für alle Zahlungen im Immobilienkauf. Man braucht dafür den Codice Fiscale, einen gültigen Reisepass und oft auch einen Nachweis über den Wohnsitz im Heimatland. Die Eröffnung dauert 7-14 Tage. Einige Banken verlangen sogar einen Nachweis über Einkünfte außerhalb Italiens, besonders wenn man eine Hypothek braucht. Deutsche Käufer haben es etwas leichter: Sie gehören mit 21,7 % zu den größten ausländischen Gruppen auf dem italienischen Markt. Aber auch sie müssen die Regeln einhalten.

Der Kaufprozess: Von der Anzahlung bis zum Notarvertrag

Der Kauf beginnt mit einem formellen Angebot, dem sogenannten Offerta. Das ist kein einfaches Interessensbekundungsschreiben, sondern ein rechtlich bindendes Dokument. In der Regel wird es über einen Makler übermittelt und enthält eine Anzahlung - die Caparra Confirmatoria. Diese liegt zwischen 10 % und 20 % des Kaufpreises, je nach Region und Verhandlung. Ist das Angebot angenommen, ist es verpflichtend: Verkauft der Eigentümer das Haus trotzdem an jemand anderen, muss er das Doppelte der Anzahlung zurückzahlen. Zieht der Käufer zurück, verliert er die gesamte Summe.

Nach der Annahme des Angebots folgt der Vorvertrag, der Compromesso oder Contratto preliminare di vendita. Hier wird der Kaufpreis festgelegt, die Zahlungsmodalitäten geregelt und der Termin für den finalen Vertrag genannt. In diesem Schritt zahlt der Käufer oft weitere 10-30 % des Kaufpreises. Der Vorvertrag muss innerhalb von 20 Tagen beim Katasteramt registriert werden. Das kostet etwa 200 Euro plus 16 Euro Stempelgebühr pro Seite.

Jetzt beginnt die Due-Diligence-Prüfung. Das ist die wichtigste Phase - und die, die am meisten schiefgeht. Der Notar prüft nicht, ob das Haus legal gebaut wurde. Das muss der Käufer selbst tun. Dazu gehören: Prüfung des Eigentumstitels beim Katasteramt (Conservatoria e Catasto), Überprüfung auf Hypotheken, Zwangsvollstreckungen, Baugenehmigungen und städtebauliche Zulassungen. Laut Gerichtsakten wurden zwischen 2019 und 2022 23 % aller Immobilienkäufe ausländischer Käufer wegen unentdeckter Belastungen storniert. Ein Nutzer aus Sizilien berichtete auf Reddit: „Meine Katasterprüfung dauerte 78 Tage statt 30, weil die Gemeinde fehlende Unterlagen hatte.“

Steuern: Was kostet der Kauf wirklich?

Die Steuern sind der größte Überraschungsfaktor. Viele Käufer rechnen nur mit dem Kaufpreis - aber die Nebenkosten liegen zwischen 8 % und 15 % des Kaufpreises. Und das hängt stark davon ab, ob es sich um eine Neubau- oder eine Gebrauchtimmobilie handelt.

Bei Neubauten fällt die Mehrwertsteuer (IVA) an. Sie beträgt 10 %, wenn es sich um eine normale Wohnimmobilie handelt. Ist das Haus als Luxusimmobilie im Grundbuch eingetragen (z. B. mit Swimmingpool, mehr als 300 Quadratmetern, oder in einer exklusiven Lage), zahlt man 20 %. Bei Gebrauchtimmobilien fällt keine Mehrwertsteuer an - stattdessen die Grundbuchsteuer (imposta di registro). Sie liegt bei 10 % für städtische Immobilien und 17 % für ländliche.

Zusätzlich kommen die Notarkosten. Sie variieren je nach Kaufpreis, liegen aber typisch zwischen 1,5 % und 3 %. Die Maklergebühren (Provvigione) werden beim Vorvertrag fällig und betragen 2-3 %. Alles zusammen: Ein Haus für 400.000 Euro kann zusätzliche Kosten von 40.000 bis 60.000 Euro verursachen. Das ist kein kleiner Betrag. Und das ist nur der Anfang - später kommen noch jährliche Immobiliensteuern (IMU) und Müllabfuhrgebühren (TARI).

Italienischer Notar prüft Dokumente mit Käufer und Anwalt, Hintergrund mit Katasterakten und sizilianischer Landschaft.

Der Notar: Wer ist der Notar und was macht er wirklich?

Der Notar (Notaio) ist der zentrale Akteur im Kaufprozess. Er ist kein bloßer Zeuge, sondern ein staatlich autorisierter Jurist, der die Rechtmäßigkeit des Verkaufs garantiert. Er prüft die Identität der Käufer und Verkäufer, prüft die Eintragungen im Grundbuch, berechnet die Steuern und erstellt den endgültigen Vertrag - den Rogito Notarile. Dieser Vertrag ist ein öffentliches Dokument. Erst nach seiner Unterzeichnung wird der volle Kaufpreis gezahlt und die Schlüssel übergeben.

Aber hier ist der entscheidende Punkt: Der Notar prüft nicht, ob das Haus legal gebaut wurde. Er prüft nur, ob der Verkäufer rechtlich berechtigt ist, es zu verkaufen. Ob die Dachterrasse genehmigt war, ob die Wand, die du rausgeschlagen hast, eine tragende Wand war - das überprüft er nicht. Das ist Aufgabe des Käufers. Deshalb ist es so wichtig, einen eigenen Rechtsanwalt einzuschalten, bevor man den Vorvertrag unterschreibt.

Warum ein italienischer Anwalt unerlässlich ist

Ein Notar schützt den Verkauf - ein Anwalt schützt den Käufer. Dr. Marco Rossi, Immobilienanwalt in Rom, sagt: „68 % der Probleme bei ausländischen Käufern entstehen durch fehlende Kenntnis der italienischen Rechtsvorschriften.“ Besonders häufig: falsche Interpretation von Baugenehmigungen, unklare Eigentumsverhältnisse oder versteckte Belastungen. Ein Anwalt prüft die Dokumente vor dem Vorvertrag, übersetzt sie, erklärt die rechtlichen Konsequenzen und verhandelt bei Problemen. Die Kosten liegen zwischen 1.500 und 5.000 Euro - je nach Komplexität. Das ist kein Luxus, das ist Versicherung.

Einige Käufer versuchen, das zu sparen, indem sie nur auf den Notar vertrauen. Das ist riskant. Die meisten ausländischen Käufer, die später Probleme haben, sagen: „Ich dachte, der Notar kümmert sich um alles.“ Er tut es nicht.

Sieben Schritte zum Immobilienkauf in Italien als ikonische Liste über einer Landkarte, stilisiert in Aquarell.

Was sich 2025 ändern wird: Neue Regeln für ausländische Käufer

Der italienische Immobilienmarkt verändert sich. Die Regierung hat die Digitalisierungsinitiative „Italia Digitale 2026“ gestartet. Bis Ende 2024 soll der gesamte Kaufprozess online möglich sein - inklusive elektronischer Unterschrift des Notarvertrags. Das soll die Dauer von 120 auf 60 Tage reduzieren. Derzeit dauert der Prozess durchschnittlich 3-6 Monate. Die Hauptverzögerungen kommen von den Gemeindeverwaltungen - viele haben noch keine digitalen Systeme.

Noch wichtiger: Ab Januar 2025 soll die Grundbuchsteuer vereinheitlicht werden. Statt 10 % für Städte und 17 % für Dörfer, wird es eine einheitliche Steuer von 9 % für alle Immobilien geben - egal ob Neubau oder Bestand, ob in Rom oder auf Sizilien. Das ist eine große Erleichterung. Laut einer Prognose des Istituto per la Ricerca Economica wird dies die Käufe ausländischer Investoren um 12-15 % steigern.

Aber es gibt auch Risiken. 37 % der italienischen Gemeinden haben laut einer Studie des Politecnico di Milano keine ausreichende IT-Sicherheit. Online-Transaktionen könnten anfällig für Hackerangriffe werden. Wer jetzt kauft, sollte sichergehen, dass er digitale Dokumente nur über sichere Kanäle erhält.

Was du wirklich brauchst: Die Checkliste für ausländische Käufer

Wenn du in Italien kaufen willst, mach dir diese Liste:

  • 1. Codice Fiscale beantragen - sofort, bevor du ein Angebot abgibst.
  • 2. Italienisches Bankkonto eröffnen - brauchst du für alle Zahlungen.
  • 3. Eigenkapital bereithalten - italienische Banken finanzieren ausländische Käufer oft nur mit 70-80 %.
  • 4. Rechtsanwalt einschalten - nicht erst beim Notar, sondern vor dem Vorvertrag.
  • 5. Due-Diligence-Prüfung durchführen - nicht nur auf den Notar vertrauen.
  • 6. Steuern genau berechnen - 8-15 % des Kaufpreises sind realistisch.
  • 7. Keine Eile - der Prozess dauert 3-6 Monate. Wer drängt, zahlt mehr.

FAQ

Brauche ich einen Wohnsitz in Italien, um eine Immobilie zu kaufen?

Nein, du brauchst keinen Wohnsitz in Italien, um eine Immobilie zu kaufen. Ausländer dürfen ohne Aufenthaltstitel oder italienische Staatsbürgerschaft Grundstücke erwerben. Aber wenn du eine Hypothek brauchst, verlangen die Banken entweder einen Nachweis über deinen Wohnsitz in Italien oder einen Nachweis über ausreichende Einkünfte außerhalb Italiens. Deutsche, Franzosen und Briten haben in der Regel keine Probleme, solange sie ihre Einkünfte belegen können.

Kann ich den Kaufvertrag auf Deutsch unterschreiben?

Nein. Der endgültige Kaufvertrag (Rogito Notarile) muss auf Italienisch verfasst sein. Der Notar ist gesetzlich verpflichtet, den Vertrag in der Amtssprache zu erstellen. Du kannst aber einen Übersetzer mitbringen, der dir den Inhalt vor der Unterzeichnung erklärt. Viele Notare bieten mittlerweile englischsprachige Begleitung an - aber nicht immer. Es ist deine Pflicht, sicherzustellen, dass du alles verstehst.

Was passiert, wenn der Verkäufer nicht alle Steuern bezahlt hat?

Dann haftest du als neuer Eigentümer für die Nachzahlungen. Italienische Gesetze sehen vor, dass Schulden des Voreigentümers - wie fehlende IMU-Steuer oder unbezahlt gebliebene Müllgebühren - auf den neuen Besitzer übergehen. Deshalb prüft der Notar, ob alle Steuern bis zum Verkaufsdatum bezahlt sind. Aber auch er kann nicht alle Verstöße erkennen. Deshalb ist die Due-Diligence-Prüfung so wichtig. Ein Anwalt kann mit dem Katasteramt abklären, ob es offene Forderungen gibt.

Gibt es eine Mindestinvestitionssumme für ausländische Käufer?

Nein, es gibt keine gesetzliche Mindestsumme. Du kannst eine kleine Wohnung für 50.000 Euro kaufen - oder ein Schloss für 3 Millionen. Allerdings verlangen Banken bei Hypotheken oft eine Mindestsumme von 100.000 Euro. Und viele Makler arbeiten nur mit Objekten über 150.000 Euro, weil der Aufwand für kleine Transaktionen nicht lohnt. Der Durchschnittspreis für ausländische Käufer liegt bei 387.500 Euro - fast 23 % höher als bei Italienern.

Wie lange dauert es, bis ich den Schlüssel bekomme?

Erst nach der Unterzeichnung des endgültigen Notarvertrags (Rogito Notarile). Das ist der letzte Schritt. Bis dahin hast du zwar den Kaufvertrag unterschrieben, aber kein Recht auf den Schlüssel. Der Notar behält das Geld bis zur vollständigen Zahlung. Erst dann übergibt er die Schlüssel. In der Regel dauert es 2-4 Wochen nach dem Vorvertrag, bis der Notartermin stattfindet. In manchen Regionen, besonders in ländlichen Gebieten, kann es länger dauern - bis zu 8 Wochen.