Stellen Sie sich vor: Sie setzen sich morgens an Ihren Schreibtisch, schalten das Licht ein - und plötzlich wirkt Ihr Gesicht blass, die Farben auf Ihrem Bildschirm sind verfälscht, und Ihre Kaffee-Tasse sieht aus wie aus einem schlechten Film. Das liegt nicht an Ihrem Blick, sondern an der Beleuchtung. Viele Menschen glauben, dass helleres Licht automatisch besser ist. Doch das ist ein Irrtum. Die wahre Qualität einer Beleuchtung entscheidet sich an drei Zahlen: Lumen, Kelvin und CRI. Wer diese versteht, kann nicht nur Energie sparen, sondern auch seine Räume so gestalten, dass sie sich gut anfühlen - und das Licht nicht nur sieht, sondern wirklich erlebt.
Lumen: Die Menge des Lichts, nicht die Stärke der Lampe
Lumen (lm) misst, wie viel Licht eine Lampe überhaupt abgibt. Es ist die echte Helligkeit, nicht die Watt-Zahl. Viele denken noch immer: „60 Watt ist hell.“ Doch das war vor der LED-Ära. Heute verbraucht eine 10-Watt-LED genauso viel Licht wie eine alte 60-Watt-Glühbirne - nämlich etwa 800 Lumen. Die Watt-Zahl sagt nur, wie viel Strom verbraucht wird. Lumen sagt, wie viel Licht kommt.
Wie viel Lumen brauchen Sie? Es hängt vom Raum ab. Ein Schlafzimmer mit 15 Quadratmetern braucht etwa 1.500 bis 2.000 Lumen, verteilt auf mehrere Leuchten. Ein Badezimmer mit Spiegel und Waschbecken braucht mindestens 1.700 bis 3.500 Lumen - hier geht es um Klarheit, nicht um Gemütlichkeit. In der Küche, besonders über dem Arbeitsbereich, sollten Sie auf 500 bis 1.000 Lux pro Quadratmeter kommen. Das bedeutet: bei 4 Quadratmetern Arbeitsfläche brauchen Sie 2.000 bis 4.000 Lumen. Ein Wohnzimmer dagegen reicht mit 100 bis 300 Lux pro Quadratmeter aus - also etwa 1.500 Lumen für ein 10 Quadratmeter großes Zimmer. Zu viel Licht macht müde. Zu wenig macht müde. Die richtige Menge macht es angenehm.
Kelvin: Die Farbe des Lichts - warm, neutral, kalt
Kelvin (K) beschreibt die Farbtemperatur von weißem Licht. Keine Angst, es geht nicht um die Temperatur der Lampe, sondern um den Farbeindruck. Je niedriger die Zahl, desto wärmer das Licht. Je höher, desto kälter.
- Unter 2700K: Extra-warmweiß - wie Kerzenlicht. Ideal für Abendstimmung, aber zu dunkel für Arbeit.
- 2700K-3000K: Warmweiß - das klassische Wohnzimmer-Licht. Gemütlich, beruhigend, ideal für Schlafzimmer und Wohnzimmer.
- 3300K-4000K: Neutralweiß - klar, aber nicht kalt. Perfekt für Küchen, Badezimmer und Home-Offices. Hier wird die Konzentration unterstützt, ohne zu stressen.
- 5000K-6500K: Kaltweiß - wie Mittagssonne. Gut für Werkstätten, Garagen oder Laboratorien. In Wohnräumen wirkt es oft klinisch und anstrengend.
Ein häufiger Fehler: Man denkt, kühleres Licht sei „besser“ für die Arbeit. Doch in der Praxis ist das nicht immer so. Ein Badezimmer mit 6500K macht Hauttöne grau und ungesund. Ein Home-Office mit 2700K fühlt sich an wie ein Gemütlichkeits-Film - und Sie werden müde. Die meisten Experten empfehlen 4000K für Arbeitsflächen. Es ist neutral, klar, und verändert Farben nicht. Für den Fernsehbereich oder das Leseeck im Wohnzimmer bleibt 2700K die beste Wahl. Und: Warmes Licht wirkt oft angenehmer, weil es unserem natürlichen Tagesrhythmus näher kommt.
CRI: Warum Farben richtig aussehen müssen
CRI - oder Color Rendering Index - ist der unsichtbare Held der Beleuchtung. Er sagt, wie genau eine Lampe Farben wiedergibt. Der Wert reicht von 0 bis 100. 100 ist Tageslicht. 80 ist durchschnittlich. 90 ist gut. 95 ist professionell.
Die meisten billigen LED-Lampen haben einen CRI von 80-85. Das reicht für Flure oder Keller. Aber in der Küche? Da soll Ihr Fleisch rot aussehen, nicht grau. In Ihrem Badezimmer? Ihre Haut soll natürlich wirken, nicht gelblich. In Ihrem Arbeitszimmer? Ihre Farbpalette auf dem Bildschirm muss stimmen - sonst verpassen Sie Töne, die Sie nie wieder zurückholen.
Ein Nutzer aus Graz berichtet: „Ich habe meine alten Lampen im Home-Office gegen CRI-95-Leuchten ausgetauscht. Plötzlich konnte ich Farbnuancen in Fotos erkennen, die ich vorher nie gesehen hatte. Es war, als hätte ich eine neue Brille.“
Professionelle Make-up-Artists arbeiten nur mit CRI 95+. Warum? Weil ein CRI von 90 schon Unterschiede in Lippenstiftfarben verfälscht. Ein CRI von 80 macht Ihre Haut blass - und Sie kaufen den falschen Grundton. In der EU wird ab 2025 der Mindest-CRI für neue LED-Lampen auf 85 angehoben. Das ist ein guter Anfang. Aber für Wohnräume, die Sie lieben, sollte es 90+ sein. Und ja: Höherer CRI bedeutet oft etwas mehr Stromverbrauch - aber nur um 5-10%. Der Unterschied in der Wahrnehmung ist riesig.
Die richtige Reihenfolge: Lumen, Kelvin, CRI
Wie planen Sie richtig? Nicht nach Gefühl. Nach Logik.
- Erst Lumen: Wie viel Licht braucht der Raum? Berechnen Sie: 100-300 Lux für Wohnräume, 300-500 Lux für Büros, 500-1000 Lux für Arbeitsflächen. Multiplizieren Sie mit der Raumfläche in Quadratmetern. Ergebnis: benötigte Lumen.
- Dann Kelvin: Welche Atmosphäre soll entstehen? Gemütlich? Konzentriert? Klar? Wählen Sie die Farbtemperatur danach. Keine Ausnahme: Schlafzimmer = warm, Küche = neutral, Arbeitszimmer = neutral bis leicht kalt.
- Zuletzt CRI: Ist Farbgenauigkeit wichtig? Dann wählen Sie mindestens CRI 90. In Badezimmern, Küchen, Arbeitsplätzen, Kunsträumen - überall, wo Farben zählen. Sonst reicht 80.
Ein häufiger Fehler: Man kauft eine teure LED mit 1000 Lumen und 5000K - und merkt erst später, dass alles grau wirkt. Oder man kauft eine CRI-95-Lampe, aber mit nur 400 Lumen - dann ist sie zu schwach. Die drei Werte hängen zusammen. Sie müssen als Team funktionieren.
Was Sie heute noch beachten sollten
Smart-Home-Systeme wie Philips Hue oder Lutron können heute die Farbtemperatur im Tagesverlauf anpassen: morgens kaltweiß zum Aufwachen, abends warmweiß zum Entspannen. Das ist kein Luxus - das ist Gesundheit. Unser Körper reagiert auf Licht. Zu viel kühles Licht abends stört den Schlaf. Zu wenig Licht am Morgen macht müde.
Und dann ist da noch der neue Standard: TM-30. Er ersetzt langsam den alten CRI. TM-30 misst nicht nur, wie genau Farben wiedergegeben werden (Rf), sondern auch, ob sie lebendiger oder blasser wirken (Rg). Ein CRI von 95 kann bei TM-30 nur Rf 88 haben - weil das Licht bestimmte Farben überbetont. Wer heute neu plant, sollte auf TM-30 achten. Die Hersteller zeigen es noch nicht oft, aber es kommt. Die Fraunhofer-Forscher haben schon Prototypen mit CRI 98 und 180 lm/W entwickelt - also mehr Licht, mehr Farbtreue, weniger Strom.
Ein letzter Tipp: Kaufen Sie niemals Lampen, bei denen der CRI nicht steht. Wenn es nicht auf der Verpackung steht, ist er wahrscheinlich unter 80. Und fragen Sie beim Händler: „Welchen CRI hat diese Lampe?“ Wenn er zögert - gehen Sie weiter. Gute Beleuchtung ist keine Frage des Preises. Es ist eine Frage des Wissens.
Praxisbeispiel: Ihr Wohnzimmer neu beleuchtet
Stellen Sie sich Ihr Wohnzimmer vor: 20 Quadratmeter, Sofa, Leselampe, Fernseher, ein paar Bilder an der Wand.
- Lumen: 20 m² × 200 Lux = 4.000 Lumen insgesamt. Verteilen Sie das auf drei Leuchten: eine Deckenleuchte mit 2.000 Lumen, zwei Stehlampen mit je 1.000 Lumen.
- Kelvin: 2700K - warm, einladend, kein Stress.
- CRI: 90+ - damit die Bilder an der Wand ihre Farben behalten, und das Holz des Möbels natürlich wirkt.
Und wenn Sie abends den Fernseher anschalten? Dann dimmen Sie die Deckenleuchte auf 50% und lassen nur die Stehlampen laufen. Das Licht wird sanft, die Augen entspannen sich. Das ist Beleuchtungsplanung - nicht Zufall.
Was ist der Unterschied zwischen Lumen und Lux?
Lumen misst die Gesamtmenge des Lichts, das eine Lampe abgibt. Lux misst, wie viel Licht tatsächlich auf einer Fläche ankommt - also Lumen pro Quadratmeter. Eine Lampe mit 800 Lumen ergibt auf 1 Quadratmeter 800 Lux, auf 4 Quadratmetern nur 200 Lux. Lux sagt, ob ein Raum hell genug ist. Lumen sagt, wie stark die Lampe ist.
Warum ist CRI bei LED-Lampen so wichtig?
Früher waren Glühbirnen und Halogenlampen sehr farbtreu - fast alle mit CRI 95+. LED-Lampen sind energieeffizient, aber viele Hersteller sparen bei der Farbqualität. Ein CRI von 80 klingt gut, aber in der Praxis wirken Hauttöne gelblich, Lebensmittel unscharf, und Farben wirken flach. Bei CRI 90+ sehen Sie die Welt, wie sie wirklich ist - nicht wie die Lampe sie sehen will.
Kann ich CRI und Kelvin kombinieren, um mehr Effizienz zu bekommen?
Ja - aber mit Kompromissen. Warmweiße LEDs (2700K) haben oft einen höheren CRI als kaltweiße (5000K) bei gleicher Leistung. Das liegt an der Technik: Warmes Licht braucht weniger Farbfilter. Wenn Sie also CRI 95 brauchen, wählen Sie lieber 3000K statt 4000K. Sie sparen Energie und bekommen bessere Farben. Die beste Kombination: 3000K mit CRI 90+ - das ist der Goldstandard für Wohnräume.
Ist ein CRI von 80 für das Badezimmer ausreichend?
Nein, nicht wirklich. In Badezimmern sehen Sie sich im Spiegel an - und Ihre Hautfarbe, Haarfarbe, Augenfarbe. Ein CRI von 80 kann Ihre Haut blass oder grünlich wirken lassen. Das führt dazu, dass Sie falsche Make-up-Entscheidungen treffen. Für Badezimmer gilt: CRI 90+ ist kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung. Und die Farbtemperatur? 3000K bis 4000K - warm genug für Entspannung, hell genug für Klarheit.
Warum steht der CRI nicht auf jeder Verpackung?
Weil viele Hersteller ihn bewusst verstecken. Ein CRI von 80 ist günstiger zu produzieren als 90+. Wer nicht nachfragt, kauft den billigeren. Der Gesetzgeber wird das ändern: Ab 2025 muss in der EU der CRI auf allen LED-Leuchten angegeben werden - mindestens 85. Bis dahin: Fragen Sie. Suchen Sie nach „CRI 90+“ oder „Ra 90“. Wenn es nicht steht, ist es wahrscheinlich nicht gut.
Sonja Schöne
Januar 8, 2026 AT 16:27Lumen, Kelvin, CRI – ach echt jetzt. Ich hab einfach eine Lampe gekauft, die nicht blendet und das Licht ist halt da. Funktioniert.