Anschlusskosten für Strom, Wasser, Gas und Kanal beim Neubau: Was Sie wirklich zahlen müssen

Anschlusskosten für Strom, Wasser, Gas und Kanal beim Neubau: Was Sie wirklich zahlen müssen
Jan, 25 2026

Was Sie wirklich für Strom, Wasser, Gas und Kanal beim Neubau zahlen

Beim Hausbau denken die meisten an die Kosten für das Fundament, die Ziegel, das Dach. Aber die größten Überraschungen kommen oft, wenn es um die Anschlüsse geht. Strom, Wasser, Gas und Kanal - diese vier Leitungen sind die Lebensadern Ihres neuen Hauses. Und sie kosten viel mehr, als die meisten Bauherren erwarten. In Deutschland müssen Sie diese Anschlüsse zwingend beantragen, bevor der Bau losgeht. Keine Ausnahme. Kein Kompromiss. Und die Preise variieren so stark, dass ein Anschluss in einem Ort 5.000 € kosten kann und im Nachbarort 15.000 €.

Wie viel kostet ein Stromanschluss wirklich?

Ein Stromanschluss klingt einfach: Kabel legen, Zähler montieren, einschalten. Doch die Realität ist komplizierter. Die Kosten hängen vor allem von zwei Dingen ab: Wie weit ist Ihr Grundstück von der nächsten Hauptleitung entfernt? Und wird das Kabel oberirdisch oder unterirdisch verlegt?

Ein typischer 30-kW-Anschluss mit 100 Metern Leitungslänge kostet bei EWE Netz etwa 1.273 €. Klingt günstig, oder? Aber das ist nur der Anschlusspreis. Wenn Ihr Grundstück 300 Meter von der nächsten Leitung entfernt ist, kommen schnell 3.000 bis 5.000 € an zusätzlichen Grabungs- und Kabelkosten hinzu. Und wenn der Boden felsig ist? Dann wird’s teurer. Einmal 15.000 € für Erdarbeiten, und Sie haben den Anschluss noch nicht mal bezahlt.

Die meisten Versorger bieten heute Erdkabel an - das sieht schöner aus, ist aber 20 bis 30 % teurer als eine Freileitung. Viele Bauherren merken erst beim Graben, dass sie das nicht geplant hatten. Die Verbraucherzentrale warnt: 30 % der Gesamtkosten für den Stromanschluss kommen oft unerwartet, weil die Erdverkabelung nicht im Vorfeld geklärt wurde.

Wasseranschluss: Von 1.000 bis 5.000 Euro - warum so viel Unterschied?

Wasser ist kein Luxus, sondern Pflicht. Jedes Haus muss an das öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen sein. Die Kosten dafür schwanken extrem. In manchen Kommunen zahlen Sie 1.000 €, in anderen 5.000 €. Warum?

Es liegt an der Entfernung zur Hauptleitung, an der Tiefe der Leitung und an der Art des Bodens. In Sandböden ist es günstiger. In Kies oder Fels wird es teuer. Ein Beispiel: EWE Netz berechnet für einen Bauwasseranschluss mit 80 Kubikmeter Wasser 974,77 € - das ist ein Sonderangebot für Baustellen. Aber das ist nur die provisorische Lösung. Der dauerhafte Anschluss kostet in der Regel 2.000 bis 4.000 €.

Einige Versorger verlangen zusätzlich eine Anschlussgebühr, die unabhängig von der Länge der Leitung ist. Andere berechnen nach Meter. Die meisten Bauherren vergessen: Sie brauchen auch einen Wasserzähler. Der kostet zwischen 150 und 400 €, je nach Modell. Und wenn Sie in einer Region mit hohem Grundwasserstand bauen? Dann muss der Anschluss tiefer gelegt werden - und das kostet extra.

Gasanschluss: Wird er bald überflüssig?

Gas ist der Anschluss, der sich am schnellsten verändert. Seit dem 1. Juli 2024 gilt das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG): Ab 2025 dürfen Neubauten nur noch mit Heizungen betrieben werden, die mindestens 65 % erneuerbare Energie nutzen. Das bedeutet: Gasheizungen sind praktisch ausgeschlossen. Wer heute baut, sollte sich fragen: Brauche ich überhaupt noch Gas?

Wenn Sie trotzdem Gas wollen - etwa für den Herd oder eine Gas-Wärmepumpe - kostet der Anschluss zwischen 2.300 und 3.700 €. Das setzt sich zusammen aus einem Baukostenzuschuss von 800 bis 1.200 € und den eigentlichen Anschlusskosten von 1.500 bis 2.000 €. Dazu kommen noch 500 bis 1.200 € für die Inneneinrichtung: Leitungen im Haus, Gaszähler, Prüfung. Der Gaszähler muss vor der Heizungsinstallation montiert werden. Wer das vergisst, baut die Heizung ein - und muss sie wieder rausnehmen, um den Zähler zu setzen. Das kostet Zeit und Geld.

Die gute Nachricht: Wenn Sie auf Gas verzichten, sparen Sie diese Kosten komplett. Die schlechte Nachricht: Strom wird dann teurer. Denn die Wärmepumpe braucht mehr Leistung. Und das bedeutet: Ihr Stromanschluss muss leistungsfähiger sein - und das kostet mehr.

Ein Neubauhaus mit farblich gekennzeichneten Versorgungsleitungen für Wasser, Gas, Strom und Kanal an der Fundamentstelle.

Kanalanschluss: Der teuerste Anschluss - und oft unterschätzt

Der Kanalanschluss ist der teuerste Anschluss beim Neubau. Und er ist der, den die meisten Bauherren am wenigsten verstehen. Warum? Weil er nicht nur die Toilette verbindet, sondern auch das Regenwasser, das Dachwasser, das Waschwasser. Und das alles muss richtig entsorgt werden.

Die Kosten liegen zwischen 1.500 und 8.000 €. Das ist ein riesiger Bereich. Warum? Weil es zwei Systeme gibt: Trennsystem und Mischsystem. Im Trennsystem fließt Abwasser und Regenwasser getrennt. Im Mischsystem alles zusammen. Die meisten Neubaugebiete verlangen heute das Trennsystem - und das ist teurer. Außerdem: Ab 2025 müssen viele Kommunen zusätzliche Regenwasserversickerungsanlagen vorschreiben. Das kostet 500 bis 1.500 € extra.

Ein Bauherrenbericht von Reddit beschreibt eine Erfahrung: 2.800 € für den Kanalanschluss - und das nur, weil der Boden voller Fels war. Die Firma musste mit Bohrgeräten arbeiten. Das war nicht im Budget. Die meisten Bauherren rechnen mit 3.000 €. Aber 5.000 € sind realistisch. Und 8.000 €? Nicht selten, wenn das Grundstück schwer zugänglich ist oder die Leitung unter einer Straße verlaufen muss.

Warum die Kosten so unterschiedlich sind - und wie Sie sie senken

Warum kostet der gleiche Anschluss in Freiburg 12.000 € und in Schwaebisch Hall nur 8.000 €? Weil es keine bundesweiten Preise gibt. Jede Stadt, jeder Landkreis, jeder Versorger hat seine eigene Preisliste. Die Bundesnetzagentur reguliert nur, wie viel Gewinn ein Versorger machen darf - nicht, wie viel er verlangen darf.

Die größten Kostentreiber sind:

  • Entfernung zur Hauptleitung: Jeder zusätzliche Meter kostet. Ab 150 Metern wird es teuer.
  • Bodenbeschaffenheit: Fels, Ton, Grundwasser - alles erhöht die Grabungskosten.
  • Infrastruktur im Gebiet: In einem alten Neubaugebiet sind die Leitungen oft schon verlegt. Da ist der Anschluss günstig.
  • Verkabelung: Erdkabel statt Freileitung - das ist schöner, aber teurer.

Wie sparen Sie? Drei Tipps:

  1. Alle Anschlüsse gemeinsam beantragen: Wer Strom, Wasser, Gas und Kanal in einem Antrag bündelt, spart bis zu 1.200 €. Die Versorger koordinieren dann die Grabungen - das spart Zeit und Geld.
  2. Frühzeitig anfragen: Die Bearbeitungszeit kann 4 Wochen bis 6 Monate dauern. Wer erst 2 Wochen vor Baubeginn anfragt, riskiert Verzögerungen - und das kostet mehr als der Anschluss.
  3. Die Erdverkabelung klären: Fragt den Versorger: „Können wir Freileitung nehmen?“ Wenn ja, sparen Sie 20-30 %. Und wenn nicht, planen Sie die Kosten von Anfang an ein.

Was Sie während des Baus zusätzlich zahlen müssen

Während der Bauphase brauchen Sie keine dauerhaften Anschlüsse - aber temporäre. Und die kosten Geld.

Ein Baustromverteiler - das ist der Strom für Bohrmaschine, Licht, Heizung auf der Baustelle - kostet 150 bis 300 € pro Monat. Ein provisorischer Wasseranschluss für die Baustelle: bis zu 500 € pro Monat. Und das kann drei, vier, manchmal sechs Monate dauern. Das sind 1.500 bis 3.000 €, die Sie nicht in der Kalkulation hatten.

Und wenn Sie Gas nicht brauchen? Dann sparen Sie den Gasanschluss. Aber: Sie brauchen trotzdem eine provisorische Heizung. Und die kostet auch. Eine Elektroheizung für die Baustelle: 200 € pro Monat. Das addiert sich.

Vergleich einer traditionellen Gasheizung mit einer modernen Wärmepumpe und Solarenergie bei einem Neubau.

Steuerlich absetzbar - aber nur mit Belegen

Die Anschlusskosten sind keine Nebenkosten. Sie gehören zu den Herstellungskosten Ihres Hauses. Das bedeutet: Sie können sie steuerlich absetzen. Als Anschaffungskosten für Ihr Eigenheim. Aber nur, wenn Sie die Belege aufbewahren.

Das Finanzamt verlangt: Alle Quittungen, Rechnungen, Gutachten für die Anschlüsse müssen 10 Jahre aufbewahrt werden. Ohne Belege - keine Absetzung. Wer das vergisst, verliert tausende Euro. Speichern Sie alle Dokumente digital und physisch. Und achten Sie darauf: Nur die Kosten für die Anschlüsse selbst sind absetzbar. Die Kosten für die Baustromversorgung nicht. Das ist eine Miete, kein Investitionskosten.

Was andere Bauherren erlebt haben - echte Erfahrungen

Ein Bauherrenforum hat 247 Menschen befragt. 68 % sagten: Die Endkosten waren 15 bis 25 % höher als geplant. Warum?

  • Einer musste 2.800 € mehr zahlen, weil der Boden felsig war - das war nicht in der Bodenuntersuchung drin.
  • Eine Familie hat 1.200 € gespart, weil sie alle Anschlüsse gleichzeitig beantragt hat - und die Versorger die Grabungen koordiniert haben.
  • Einer hat den Gasanschluss abgesagt, weil er Wärmepumpe und Solarthermie plant. Hat 3.500 € gespart - aber 1.800 € mehr für den stärkeren Stromanschluss gezahlt.

Die häufigsten Beschwerden: Verzögerungen (42 %) und unklare Kosten (37 %). Die meisten positiven Erfahrungen: Beratung durch Stadtwerke im ländlichen Raum. Die sind oft persönlicher, transparenter und schneller.

Was sich 2025 ändert - und warum Sie jetzt handeln müssen

Die Energiewende verändert die Anschlusskosten. Ab 2025 wird Gas für Neubauten fast überflüssig. Die Nachfrage sinkt. Das bedeutet: Gasanschlüsse werden weniger oft verlegt. Und das könnte langfristig die Preise senken. Aber: Strom wird wichtiger. Und Stromleitungen werden unterirdisch verlegt - das ist teuer. Die Deutsche Energieagentur prognostiziert bis 2027 eine Kostensteigerung von 12-15 % für Strom- und Wärmeanschlüsse.

Wenn Sie heute bauen: Planen Sie mit den aktuellen Preisen. Aber überlegen Sie: Brauche ich Gas? Oder ist Wärmepumpe + Solar die bessere Wahl? Denn wer heute Gas anschlüsst, zahlt heute viel - und könnte morgen einen Anschluss haben, den er nicht braucht.

Checkliste: Was Sie jetzt tun müssen

  1. 6-8 Wochen vor Baubeginn: Kontaktieren Sie alle vier Versorger: Strom, Wasser, Gas, Kanal.
  2. Frage: Ist Erdkabel nötig? Kann es Freileitung sein? Das spart Geld.
  3. Beantragen Sie alle Anschlüsse in einem Antrag. Bündeln Sie die Anträge.
  4. Frage: Gibt es eine Regenwasser-Versickerungspflicht? In vielen Kommunen ab 2025.
  5. Verlangen Sie eine schriftliche Kostenaufstellung. Ohne Beleg - kein Absetzen.
  6. Planen Sie Baustrom und Bauwasser ein. Das kostet 1.500-3.000 € im Jahr.
  7. Speichern Sie alle Rechnungen - 10 Jahre. Für die Steuer.